menu
Veröffentlicht am 1.08.22 12:27
Unser Feedback zu Ihren Ideen zum Sachsen-Anhalt Takt
Beschreibung

Im Dezember haben wir hier im Fahrgastforum unsere Pläne für den Ausbau des Regionalzug- und S-Bahn-Angebots in Sachsen-Anhalt vorgestellt. Sie konnten diese Projekte kommentieren und bewerten und natürlich auch eigene Ideen für den Sachsen-Anhalt-Takt einbringen. Inzwischen haben wir alle Beiträge und Kommentare gesichtet und im Haus diskutiert und möchten nun auf die wichtigsten Themen kurz eingehen.

 

Leider ist es uns nicht möglich, auf alle Ideen einzeln einzugehen. Wir haben deshalb die am besten bewerteten Ideen und die am häufigsten angesprochenen Themen nachfolgend zusammengefasst.

Bedienung kleinerer Stationen vs. RE-Verbindungen

Mehrere Nutzer haben sich gewünscht, dass auch kleinere Stationen mindestens im Stundentakt bedient werden. Gleichzeitig wurde aber auch gefordert, dass schnelle Linien nicht durch zusätzliche Unterwegshalte ausgebremst werden. Beides sind Wünsche, die wir sehr gut nachvollziehen können, die sich aber leider nicht immer unter einen Hut bringen lassen.

 

Wenn das Geld auf einer Strecke nur für eine stündliche Linie reicht, stehen wir vor der Entscheidung: Halten wir stündlich überall oder lassen wir die Züge alle zwei Stunden als RE und RB im Wechsel fahren. Mittlerweile entscheiden wir uns immer öfter für die stündliche Bedienung aller Stationen. So können wir im gesamten Netz stündliche Reiseketten anbieten und gleichzeitig die Existenz der kleinen Halte sichern. Denn Ein- und Aussteigerzahlen rutschen bei einem Zweistundentakt so in den Keller, dass die Existenz der kleinen Station gefährdet wird. Umgesetzt haben wir die stündliche Bedienung bereits beim RE 13 zwischen Dessau und Magdeburg. Mit dem „Altmärker Y“ werden wir so ein Konzept auch zwischen Uelzen und Stendal bekommen.

 

Wesentlich besser wäre natürlich ein Mix aus einer stündlichen RB- oder S-Bahn-Linie und einem zusätzlichen RE-Angebot. Diese Angebotsqualität kostet aber viel Geld und kann derzeit nur auf stark nachgefragten Strecken wie Dessau – Leipzig, Halle – Naumburg, Halle – Lu. Eisleben und Burg – Magdeburg finanziert werden. Außerdem haben wir diesen Takt überall dort, wo der Fernverkehr das schnelle Angebot bereitstellt. Wir hoffen, dass wir zukünftig noch mehr Strecken auf diese Weise bedienen können. Vor allem auf der von Ihnen oft genannten Strecke Magdeburg – Dessau sehen auch wir den Bedarf. Dies erfordert aber eine zusätzliche Finanzausstattung des SPNV.

Ausbau der S-Bahn Magdeburg

Eine Reihe von Ideen hat uns zum Stadt-Umland-Verkehr rund um Magdeburg erreicht. Die Wünsche reichten von einem 30-Minuten-Takt zwischen Magdeburg und Haldensleben über neue S-Bahn-Linien nach Burg, Zerbst, Staßfurt und Oschersleben bis hin zu Ideen für Regionalstadtbahn-Linien. Hierbei handelt es sich um einen Mix aus Straßenbahn und Eisenbahn.

 

Im ÖPNV-Plan 2020 bis 2030 ist das sogenannte Leitprojekt S-Bahn als Prüfauftrag hinterlegt. In diesem Zusammenhang wird auch ein möglicher Ausbau der S-Bahn Magdeburg untersucht. Für einige Strecken, z. B. Magdeburg – Haldensleben und Magdeburg – Burg werden bereits erste Konzepte erarbeitet. Eine mögliche Taktverdichtung wird sowohl im Deutschlandtakt als auch beim vorgesehenen Streckenausbau zwischen Haldensleben und Magdeburg schon berücksichtigt. Die Finanzierung der zusätzlichen Fahrten ist aktuell aber noch nicht gesichert.

 

Der Ausbau der S-Bahn-Magdeburg wird auch durch die geplante Intel-Ansiedlung im Südwesten der Stadt zusätzlichen Schub bekommen. Aktuell prüfen wir eine S-Bahn-Anbindung des Standorts mit möglichst attraktiven Direktverbindungen. Die oben genannten Überlegungen sollen dabei auch berücksichtigt werden.

Mehr Angebot am Tagesrand und in der Nacht

In mehreren Ideen ging es um zusätzliche Verbindungen am Tagesrand, am Wochenende oder in der Nacht. Genannte Linien waren u. a. der RE 9 Kassel – Halle und die RB 40 Magdeburg – Helmstedt – Braunschweig. 

 

Diese Wünsche sind absolut nachvollziehbar, wobei wir auch hier wieder vor dem Problem der unzureichenden Finanzierung stehen. Deshalb setzen wir uns gemeinsam mit den anderen Bundesländern für eine deutliche Aufstockung der sogenannten Regionalisierungsmittel für den Eisenbahnverkehr ein. Angesichts der vom Bundestag beschlossenen Ziele zur Senkung der Treibhausgasemissionen im Verkehr sind die Erfolgschancen gar nicht so schlecht. Solange die Finanzierung aber nicht geklärt ist, haben wir für solche Angebotsausweitungen keine großen Spielräume.

 

Dennoch können für einzelne Fahrten durchaus Lösungen gefunden werden. Melden Sie uns konkrete Wünsche gerne im Zuge unserer jährlichen Fahrplanvorschau im Februar. Wir schauen dann, was sich machen lässt.

Zusätzliche Stationen

Einige Ideen zielten auf die Wiederinbetriebnahme geschlossener Stationen ab. Darunter waren z. B. Blumenberg, Jütrichau und Tießen. Für alle diese Standorte wurde die Entscheidung zur Schließung in der Vergangenheit nach einem gründlichen Prüfverfahren getroffen. Auch eine nochmalige Überprüfung der unter günstigen Umständen erreichbaren Fahrgastpotenziale hat ergeben, dass zu wenige Personen die Stationen nutzen würden (unter 30 bis 50 Ein- und Aussteigern pro Tag). Volkswirtschaftliche Betrachtungen kommen hier zu dem Ergebnis, dass die Investitionskosten für die Herrichtung der Stationen und die volkswirtschaftlichen Kosten durch längere Reisezeiten bei den Bestandskunden den Nutzen durch zusätzlich gewonnene Fahrgäste deutlich überwiegen.

 

Bei den ebenfalls von Ihnen vorgeschlagenen neuen Stationen Hettstedt Mitte und Köthen West sieht das anders aus. Wir haben beide Standorte in der Vergangenheit bereits einer ersten Analyse unterzogen und ein vielversprechendes Fahrgastpotenzial ermittelt. Wir werden die Neuanlage deshalb im Rahmen des im ÖPNV-Plan hierfür definierten Verfahrens weiter prüfen. Eine Umsetzung hängt nicht nur vom Ergebnis dieser Prüfung ab, sondern auch vom Zusammenkommen einer Allianz mit den Infrastrukturbetreibern und den jeweiligen Städten.

Schnelle Verbindungen nach Berlin und Hamburg

Weitere Ideen betrafen Verbindungen, die eher dem Fernverkehr zuzuordnen sind. Gewünscht wurden vor allem schnelle Verbindungen von Magdeburg und Dessau nach Berlin sowie Anschlussverbindungen in Richtung Hamburg. Diese Wünsche sind aus unserer Sicht alle nachvollziehbar. Für den Fernverkehr ist allerdings der Bund zuständig, der dieses Geschäft dem freien Markt überlässt. 

 

Da die Fernverkehrszüge nach Berlin auf den vorhandenen Schnellfahrstrecken über Wolfsburg und Stendal bzw. Leipzig/Halle und Bitterfeld – Wittenberg ihr Ziel deutlich schneller erreichen und bei einem Umweg über Magdeburg bzw. Dessau eher Fahrgäste verlorengehen als hinzugewonnen werden, ist in den nächsten Jahren eine Einführung eines eigenwirtschaftlichen Taktverkehrs wenig realistisch. Das Land setzt sich trotzdem für die sukzessive Ausweitung der Fernverkehrsangebot gegenüber dem Bund ein.

Streckenreaktivierungen

Unter den eingegangenen Vorschlägen waren auch zahlreiche Wünsche zur Reaktivierung von Bahnstrecken. Hierüber wird auch in anderen Bundesländern viel gesprochen und teilweise auch einiges getan. In Sachsen-Anhalt haben wir aber eine besondere Situation: Bei uns sind bereits alle Orte mit mehr als 10.000 Einwohnern an den SPNV angebunden. Entsprechend gering ist das Fahrgastpotenzial bei den verbleibenden Relationen. 

 

Erst wenn bei einem unterstellten Stundentakt deutlich mehr als 500 Fahrgäste pro Tag im Querschnitt (Reisenden-Kilometer je Kilometer Betriebslänge) prognostiziert werden, prüft das Land, ob eine Bedienung der Strecke per Regionalzug den Kriterien des wirtschaftlichen Verkehrsträgereinsatzes gemäß ÖPNV-Plan 2020 – 2030 des Landes Sachsen-Anhalt entspricht. Aktuell ist das für keine der von Ihnen vorgeschlagenen Strecken der Fall – auch nicht für die besonders gut bewertete Idee zur Reaktivierung der Strecke Loburg – Magdeburg.

 

Beim Ausbau neuer Gleisverbindungen konzentrieren wir uns daher auf die Maßnahmen, die uns helfen, große Fahrgastpotenziale zu erschließen. Dazu gehören z. B. die Verbindungskurve Großkorbetha für die S-Bahn Merseburg – Leipzig, eine Verbindungskurve bei Calbe für die stündliche Direktverbindung von Bernburg nach Magdeburg und zusätzliche Weichen und Gleise für Taktverdichtungen.

Bessere Anbindung des Harzes

Zwei Wünsche bezogen sich auf die Schaffung besserer bzw. schnellerer Verbindungen in den Harz. Daran sind auch wir interessiert und treiben daher das Streckenausbauprojekt Halberstadt – Magdeburg weiter voran. Die Strecke soll künftig mit 120 km/h befahren werden können. Zusammen mit einem veränderten Betriebskonzept zwischen Halberstadt und Thale verkürzt sich somit die Gesamtreisezeit von Magdeburg nach Thale um 15 Minuten.

Landesweiter Stundentakt auch beim Bus

Wo Bahnangebote in der Fläche nicht angemessen eingesetzt werden können oder keine Bahninfrastruktur vorhanden ist, übernehmen PlusBus und TaktBus im Landesnetz die Bedienung. Durch das gemeinsame Bahn-Bus-Landesnetz wird bereits heute sichergestellt, dass alle zentralen Orte gemäß Landesentwicklungsplan täglich mindestens alle zwei Stunden, überwiegend sogar stündlich, im Taktverkehr miteinander verbunden sind.

 

Wir arbeiten bereits seit einigen Jahren aktiv an einer sukzessiven Ausweitung der PlusBus-Angebote, also der stündlichen Buslinien. Grundsätzlich sind aber die Landkreise für den Busverkehr zuständig und finanzieren diesen auch. Das Land kann hier nur beraten sowie Fördermittel für PlusBus- und TaktBus-Linien im Landesnetz bereitstellen.

Ideen der NASA

Ganz herzlichen Dank an dieser Stelle auch für die positive Bewertung unserer eigenen Ideen zum Ausbau des Bahnangebots. Alle vier Projekte haben von Ihnen ziemlich gute Noten bekommen (zwischen 4,4 und 5,0 von insgesamt 5 Sternen) und wurden rege diskutiert. Wir freuen uns, mit dem Projekt Altmärker Y bereits Ende 2023 eine deutliche Angebotsverbesserung im nördlichen Sachsen-Anhalt umsetzen zu können. 

add