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Veröffentlicht am 28.10.22 08:54
Unser Feedback zu Ihren Ideen zur „Ausstattung der Züge“
Beschreibung

Wie der ideale Regionalzug aussieht, das wollten wir von Ihnen im letzten Fahrgastforum Ende Juli / Anfang August 2022 wissen. Weil die NASA den Schienenpersonennahverkehr (SPNV) in Sachsen-Anhalt plant, bestellt und bezahlt, war uns wichtig zu erfahren, welche Themen wir im Hinblick auf die Fahrzeugausstattung künftig beachten sollten. 

Leider können wir nicht auf alle Ideen einzeln eingehen. Darum haben wir die am besten bewerteten und am häufigsten angesprochenen Themen für Sie zusammengefasst.

 

Fahrradmitnahme

 

Innerhalb des Themenbereichs „Fahrradmitnahme in den Regionalzügen“ wurde häufig bemängelt, dass dort nicht genügend Platz für Fahrräder zur Verfügung steht. Dass es mehr Abstellmöglichkeiten braucht, darüber waren sich die meisten Nutzer einig. Fahrräder würden beispielsweise von später zusteigenden Fahrgästen und deren Fahrrädern zugeparkt. Wer früher aussteigen möchte, gelangt dementsprechend nur mühsam wieder an sein Fahrrad.

 

Im Fahrgastforum wurde unter anderem der Einsatz von mehr Wagen bzw. eines Extra-Wagens nur für Fahrräder vorgeschlagen. Eignen würde sich laut einiger Nutzer auch schon das komplette Unterdeck eines Doppelstockzuges. 

 

Diese Wünsche sind nachvollziehbar, allerdings können wir uns eine Beschaffung weiterer Fahrzeugeinheiten nur zur Bereitstellung von zusätzlichen Fahrradstellplätzen schlicht nicht leisten. Wir versuchen aber, an bestimmten Veranstaltungstagen, zu denen regelmäßig viele Radfahrer unterwegs sind, längere oder zusätzliche Züge einzusetzen. Auf den Linien, die mit Doppelstockwagen gefahren werden, bieten wir in der Regel auch jetzt schon genügend Fahrradstellplätze. Deshalb konzentrieren wir uns bei den Maßnahmen vor allem auf die einstöckigen Züge: So haben wir in den Zügen des Mitteldeutschen S-Bahn-Netzes II bspw. der Linien S 2, S 8 und RE 13 die Windfangwände entfernt und dadurch mehr Platz gewonnen. Bei zukünftigen Ausschreibungen werden wir gleich von Anfang an entsprechende Vorgaben machen.

 

Als weitere Möglichkeit für die Zukunft könnten aus unserer Sicht auch Halterungen an den Zuginnenwänden befestigt werden, an denen Fahrgäste ihre Räder aufhängen. Diese Option bietet sowohl Vor- als auch Nachteile und muss daher sorgfältig abgewogen werden. Insbesondere E-Bike-Fahrer, aber auch ältere Nutzer haben wegen des Fahrradgewichts beim Aufhängen einen Nachteil. Darüber hinaus werden wir uns mit der Frage auseinandersetzen, ob die Innenräume so gestaltet werden können, dass bei erwartetem hohen Fahrradaufkommen mehr Fahrradstellplätze geschaffen werden können, z. B. über den Verschluss von Klappsitzen.

 

Bei der Erweiterung der Platzkapazitäten für Fahrräder sollte laut einem Nutzer unbedingt die Region mitgedacht werden, durch die ein Zug fährt. Beispielsweise gibt es im Süden Sachsen-Anhalts viele beliebte Radwege. Dort würde ein Aufstocken der Kapazitäten also Sinn ergeben, während die Abstellmöglichkeiten anderswo vielleicht weniger stark genutzt werden. 

 

Die auf den einzelnen Linien prognostizierte Nachfrage spielt bei unseren Vorgaben zur Fahrradkapazität eine wichtige Rolle. Dabei werden natürlich auch bekannte Freizeitregionen berücksichtigt. Bei künftigen Ausschreibungen werden wir die vorhandenen Daten und Annahmen noch einmal einer genauen Überprüfung unterziehen. 

 

Angeregt wurde auch, die Fahrradmitnahme kostenpflichtig zu gestalten und eine Reservierungspflicht für Fahrradstellplätze einzuführen, um so das Platzproblem ein Stück weit zu verringern. 

 

Um die Flexibilität der Pendler und anderer Fahrgäste weiterhin zu gewährleisten, möchten wir die kostenlose und spontane Fahrradmitnahme beibehalten. Die bekannten Kapazitätsengpässe betreffen nur eine kleine Zahl von Linien bzw. Fahrten, sodass uns derart weitreichende Eingriffe nicht gerechtfertigt erscheinen.

 

Ein Nutzer hat einen Sicherheitsaspekt mit in die Diskussionen eingebracht. Er regte an, den Boden dort zu markieren, wo keine Räder stehen dürfen, um Fluchtwege frei zu halten. 

 

Das ist ein sehr guter Hinweis. Wir werden in zukünftigen Ausschreibungen entsprechende Vorgaben machen. 

 

 

Sitzplatzanordnung

 

Was die Sitzplätze in den Regionalzügen in Sachsen-Anhalt anbelangt, kritisierten viele Nutzer die Lounge-Sitzecken für große Gruppen. Diese wären nur dort sinnvoll, wo Ziele angefahren werden, die beliebte Gruppenaktivitäten bieten. Zudem wurde geäußert, dass die Lounge-Sitzgruppen eher Platzkapazitäten wegnehmen als erhöhen. Überwiegend sagten Nutzer, dass sie die Lounge-Ecken nur dann nutzen, wenn es keine andere Sitzmöglichkeit gibt. 

 

Angeregt wurde im Forum anstelle der Lounge-Sitzgruppen Vierer- und Zweier-Sitzgruppen in ausgewogenem Maß zur Verfügung zu stellen. Diese würden von den meisten Fahrgästen bevorzugt genutzt. 

 

Wir bedanken uns für diese wichtigen Hinweise und werden sie in zukünftigen Ausschreibungen stärker berücksichtigen. Auch wir sind von einem guten Mix aus Vierer- und Zweiersitzen überzeugt. Dabei versuchen wir übrigens, die Vierer-Sitzgruppen möglichst im Bereich eines „vollen“ Fensters anzuordnen. Über den gesamten Zug bieten wir einen Mix aus Sitzplätzen, Fahrrad-, Rollstuhl- und Kinderwagenstellplätzen. Um Konflikte zu vermeiden, tendieren wir dazu, bei künftigen Ausschreibungen die Fahrräder- von den Rollstuhl- und Kinderwagenstellplätzen zu trennen.

 

Einige Nutzer bewerteten Sitzplätze an den Fenstersäulen negativ, wo man nicht aus dem Fenster schauen kann. 

 

Hier gibt es leider einen Konflikt zwischen dem Karosseriebau und den gewünschten Sitzplatzabständen, der nicht immer zu lösen ist. Vor allem an den Wagenenden passen die Maße oft nicht zusammen. Im Mittelbereich des Wagens ist eine fahrgastfreundliche Anordnung der Sitze zum Fenster eher umsetzbar. Unsere Branche wird sich hierzu mit den Herstellern zukünftiger Züge noch einmal auseinandersetzen müssen.

 

 

Gepäckablage

 

Viele Nutzer wünschten sich mehr und größere Ablagemöglichkeiten für Gepäckstücke. Insbesondere wurde bemängelt, dass die Ablagen über den Sitzen in vielen Regionalzügen zu flach und nicht tief genug sind. Zudem baten einige Nutzer darum, Stauraum für Gepäck zwischen den Sitzplätzen zu schaffen.

 

Das Obergeschoss der Doppelstockzüge ist leider zu niedrig, um dort ausreichend große Gepäckablagen über den Sitzen anzubringen. Aus diesem Grund haben wir in diesen Wagen zwischen einigen Sitzen gesonderte Gepäck-Racks geschaffen. Sie sind für die meisten Fahrgäste bequem erreichbar, bieten viel Stauraum, werden aber offenbar aus Angst vor Diebstählen vergleichsweise selten genutzt. Außerdem gehen sie zulasten von Sitzplätzen, weshalb sie nur dort zum Einsatz kommen, wo aufgrund der Fahrzeughöhe keine Über-Kopf-Ablagen eingebaut werden können. Auch in den einstöckigen Triebwagen gibt es aufgrund unterschiedlicher Fußbodenhöhen nicht über jedem Sitz eine Gepäckablage.

 

In künftigen Ausschreibungen werden wir sowohl Gepäck-Racks in Sichtweite der Reisenden als auch Gepäckablagen über den Sitzen vorsehen. Dabei sollen die Gepäck-Racks mehrere Ebenen erhalten, um möglichst viel Stauraum zu bieten. Wo Gepäckablagen über den Sitzen vorgesehen sind, sollen in einstöckigen Fahrzeugen über die Hälfte der Sitzbereiche damit ausgestattet werden. In doppelstöckigen Fahrzeugen ist die Anordnung von Gepäckablagen über den Sitzen, wie bereits erwähnt, meist nicht sinnvoll, da die Kopffreiheit eingeschränkt wird bzw. die mögliche nutzbare Fläche unzureichend ist. Vorteilhaft ist stattdessen die Nutzung der Gepäck-Racks.

 

In einigen Zügen kann das Gepäck auch platzsparend unter den Sitzen verstaut werden. Dieser zusätzliche Stauraum ist jedoch nur dort gegeben, wo keine Komponenten des Zuges verbaut sind. Einige Hersteller hängen ihre Sitze bereits an den Seitenwänden auf. Unter den „schwebenden“ Sitzen gibt es dann keine Hindernisse mehr.

 

 

Lademöglichkeiten

 

Ausgiebig diskutiert wurden auch die Lademöglichkeiten für elektronische Geräte in unseren Regionalzügen. Die meisten Nutzer unter Ihnen haben sich für eine Beibehaltung des Status Quo ausgesprochen.

 

Demnach sollten herkömmliche Steckdosen möglichst das Mittel der Wahl bleiben. Auch der Wunsch nach zusätzlichen USB-A-Lademöglichkeiten wurde geäußert. Von Induktionsladern haben einige Nutzer abgeraten, weil nicht alle Geräte über diese Funktion verfügen. Anstatt in eine Vielfalt von Ladebuchsen zu investieren solle lieber die Dichte der Steckdosen erhöht werden, waren sich viele Teilnehmer im Fahrgast-Forum einig.

 

Dementsprechend forderte eine Mehrheit der Nutzer eine sinnvolle Anordnung und hohe Dichte an Steckdosen unter oder vor den Sitzen bzw. in geeigneter Höhe an der Wand, möglichst nicht über den Fenstern bzw. zu hoch. Als geeignete Dichte wurde die Anzahl von einer Steckdose je Sitzplatz genannt. 

 

Zu hoch an der Wand angebrachte Steckdosen seien laut einiger Nutzer nicht bedienfreundlich. 

 

Das sehen wir auch so und sorgen deshalb in allen aktuellen Ausschreibungen dafür, dass die Steckdosen gut erreichbar sind. 

 

Zusätzlich zu den Steckdosen werden wir für künftige Züge USB-Anschlüsse verlangen. Dabei setzen wir auf den USB-C-Standard, der ab 2024 einheitlich EU-weit gilt. So erweitern wir die Lademöglichkeiten.

 

Eine Nachrüstung mit USB-C-Anschlüssen in Bestandsfahrzeugen muss wirtschaftlich und auch aus Sicht der Möglichkeiten im Fahrzeug betrachtet und abgewogen werden. Wir werden insbesondere im DISA-Netz die Prüfung veranlassen.

 

Induktive Lademöglichkeiten geben wir aktuell nicht für künftige Ausschreibungen vor.

 

 

Snackautomaten

 

Viel diskutiert und unterschiedlich bewertet wurde das Thema „Snackautomaten“ in den Zügen. Hauptsächlich gewünscht wurden Automaten mit Heißgetränken, Bier, Softdrinks oder auch Kundenbetreuer, die Snacks und Getränke im Zug verkaufen.

 

Snackautomaten sind nicht nur schwer und nehmen ohnehin schon knappen Platz in Anspruch. Sie brauchen auch ein ausgeklügeltes Betriebskonzept, das sich für die Betreiber rechnet. Der Aufwand ist nicht zu vernachlässigen: Beispielsweise benötigt man für einen Getränkeautomaten mit Heißgetränken wie etwa Kaffee oder Tee Frischwassertanks auf dem Zug, für die es auch ein Hygienekonzept braucht. Einige Speisen in Snackautomaten müssen zudem vorschriftsmäßig gekühlt werden. Darüber hinaus wird Personal benötigt, um die Geräte zu warten, Geld zu entleeren und Vorräte nachzufüllen. Wie ein Nutzer schon sagte, ist ein solches Angebot nur auf längeren Strecken sinnvoll.

 

Aufgrund der aktuellen Personalknappheit sind entsprechende Testläufe derzeit eher unwahrscheinlich. Für längere Nahverkehrsstrecken könnte man grundsätzlich aber eine Rentabilitätsprüfung auf ausgewählten Strecken in Betracht ziehen. Neue Erkenntnisse dazu wird ab Dezember 2022 die Linie RE 1 Magdeburg – Berlin – Frankfurt(Oder) liefern können. Der neue Betreiber ODEG wird zu bestimmten Zeiten ein Catering mit Snacks und Getränken bereithalten. Ein ähnliches Angebot auf den Abellio-Linien im Saaletal musste in der Vergangenheit mangels Wirtschaftlichkeit leider wieder eingestellt werden.

 

Noch einmal herzlichen Dank an alle Nutzer für die vielen nützlichen Anregungen. Das nächste Fahrgastforum findet vom 7. bis zum 18. November zum Thema „Sicherheit und Sauberkeit“ statt. Wir freuen uns, wenn Sie wieder dabei sind.

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